„Schloss der Arbeit“

Malerisch gelegen im Dortmunder Stadtteil Bövinghausen, kann man dort noch heute die Anlagen der ehemaligen Schachtanlage Zeche Zollern II/IV besuchen und bestaunen. Und aus dem Staunen kommt man wahrlich nicht mehr heraus, sobald man einmal damit begonnen hat, das ehemalige Werksgelände zu erkunden. Erwartet einen hier doch nicht viel weniger, als die architektonisch schönste Zeche des gesamten Ruhrgebiets. Die Zeche Zollverein in Essen oder die Zeche Nordstern in Gelsenkirchen sind baulich bestimmt auch ganz interessant, aber nichts von alledem reicht an die Architektur heran, die sich einem hier auf Zollern präsentiert.

Direkt hinter dem Zechentor erstrecken sich die ehemaligen Tagesanlagen der Zeche, die einen unweigerlich an eine barocke Schlossanlage denken lassen, denn diese sind ja sehr häufig auch in einer dreiflügeligen Bauweise bzw. Anordnung errichtet worden. Über all dem thronen dann fast schon majestätisch die beiden Schachtgerüste, welche leider aber nicht mehr Original vorhanden sind. Wurden die ehemaligen Schachtgerüste doch schon kurz nach der Schließung der Zeche Zollern abgebaut und anschließend verschrottet. Als würdiger Ersatz steht heute aber über dem Schacht Zollern II das ehemalige Schachtgerüst der Zeche Wilhelmine Victoria (Gelsenkirchen) und über dem Schacht IV das alte Gerüst der Anlage Friedrich der Große (Herne).

Entworfen wurde diese architektonische Meisterleistung von dem Architekten Paul Knobbe, der es sich von Anfang an hat nicht nehmen lassen, auch diese rein zweckmäßigen Bauten mit diversen Applikationen und Verzierungen zu verschönern. So findet man denn auch an allen Tagesbauten schön gestaltete Formsteine; im Zierverband angelegte Riemchen; andersfarbige, zumeist helle Putzflächen und diverse andere Raffinessen. Gekrönt durch kleine Zwiebeldächer, die der Backsteingotik sozusagen noch die Krone aufsetzen. Nicht umsonst wurde diese Schachtanlage von den dort einfahrenden Kumpeln „Schloss der Arbeit“ genannt. Ein wirklich schöner Name, der aber nicht über die Tatsache hinwegtäuschen sollte, dass hier damals einer sehr schweren und äußerst gefährlichen Arbeit nachgegangen worden ist. Immerhin hat der Berg in all den Jahren auch so manchen Kumpel nicht wieder freigegeben.

Vor circa acht Jahren hatte ich persönlich schon einmal das Glück, hier fotografisch unterwegs sein zu dürfen. Leider – und zu meinem größten Bedauern – war damals die Maschinenhalle für den Publikumsverkehr komplett gesperrt; standen doch umfangreiche Restaurationsaufgaben sowohl an dem Gebäude selbst, sowie den darin befindlichen Maschinen an. Vor ein paar Tagen war es dann aber endlich soweit. Ich durfte mich bei strahlendem Sonnenschein und mit noch viel mehr guter Laune in eben besagter Maschinenhalle austoben und zwischen Kompressoren, Umformern und den riesigen Fördermaschinen auf Motivjagd gehen.

Letztere stammt übrigens nicht aus der Zeichenfeder von Paul Knobbe, der für diese Halle ebenfalls eine Massivbauweise vorgesehen hatte. Das Ziel war damals aber eine rasche Fertigstellung und Inbetriebnahme, so dass man auf eine Konstruktion zurückgriff, welche eine mit Backstein ausgefachten Eisenfachwerk-Konstruktion vorsah. Erdacht und geplant wurde diese Hallenkonstruktion von dem Berliner Architekten Bruno Möhring, der sich hiermit wahrlich selbst ein Industrie-Denkmal gesetzt hat.

Schon nach dem Durchschreiten der im Jugendstil gehaltenen Pforte, verschlägt es einem förmlich den Atem. Man fühlt sich spontan in eine Erzählung frei nach Jules Verne versetzt. So weit das Auge reicht, erblickt man aufwendige und in Marmor gefasste Schalttafeln, übermannshohe Aggregate und eine Technik, wie man sie viel eher auf der Nautilus erwarten würde, dem legendären U-Boot aus der Erzählung „20.000 Meilen unter dem Meer“.

Jedes noch so kleine Detail wurde damals mit viel Liebe gestaltet, mit größter Sorgfalt hergestellt und in dieses Gesamtkunstwerk eingefügt, welches viel mehr als nur zweckmäßige Technik sein möchte. Sei es nun die große Jugendstil-Uhr über den zentralen Schalttafeln oder die optische stets ansprechende Anordnung der großen Aggregate und Maschinen. Alles fühlt sich viel eher organisch und anmutig an, als denn zweckmäßig und funktional.

So ist es denn auch nur wenig verwunderlich, dass die nun folgende Fotostrecke sehr viele Details und Ansichten aus eben dieser Maschinenhalle zeigt und nur recht wenig von den Tagesanlagen dieser Schachtanlage. Um diesem Umstand gerecht zu werden – und auch der Übersichtlichkeit halber -, habe ich die Motive auf zwei Galerien verteilt. Wer darüber hinaus noch mehr Fotografien von der Zeche Zollern sehen mag, findet bei den weiterführenden Links auch einen Verweis auf den ersten SensorArt-Artikel zu diesem Thema.

Zu guter Letzt würde ich Euch allen gerne noch einen Besuch auf der Zeche Zollern ans Herz legen. Der Eintrittspreis ist mehr als erschwinglich, sämtliche Gebäude stehen für eine Erkundung offen und selbst für die Kleinsten gibt es vor Ort jede Menge zu entdecken.  Ein Besuch lohnt sich! Versprochen!

 

Maschinenhalle:

 

Zeche Zollern II/IV:

 

Weiterführende Links:

[1] „Zeche Zollern II & IV“ – ein Artikel auf SensorArt

[2] Die offizielle Webseite des LWL-Industriemuseums  Zeche Zollern

[3] Die Zeche Zollern in der Wikipedia

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